In die Tiefe

Investor – Schluss – Panik? Kapitel 1: FC Malaga

Der FC Malaga hat mit seinem Investor Scheich Nasser al-Thani turbulente Zeiten hinter sich. Wie konnte es in nur einer Dekade vom Viertelfinaldrama gegen Dortmund zur Trostlosigkeit der Segunda Division kommen? Ein Rückblick auf große Ambitionen und noch größere Enttäuschung.

Von der Bedeutungslosigkeit zu europäischen Höhenflügen und wieder zurück. Der FC Malaga hat mit seinem Investor Scheich Nasser al-Thani turbulente Zeiten hinter sich. Wie konnte es in nur einer Dekade vom Viertelfinaldrama gegen Dortmund zur Trostlosigkeit der Segunda Division kommen? Ein Rückblick auf große Ambitionen und noch größere Enttäuschung.

2010 übernimmt Scheich Abdullah bin Nasser al-Thani, seines Zeichens Mitglied der katarischen Herrscherfamilie, den FC Malaga. Der Verein aus Andalusien ist bis dahin nicht unbedingt als Top-Team im spanischen Fußball aufgefallen. Die beste Platzierung in der Vereinsgeschichte war ein siebter Platz in den 70er Jahren. Danach wurde es eher schlimmer als besser. Nach der zwischenzeitlichen Auflösung des Vereins gelingt erst im Jahr 2000 wieder der Aufstieg in die erste Liga. Aus dieser man sich sechs Jahre später aber wieder verabschieden muss.

Mit dem Wiederaufstieg 2008 sollte nun aber alles anders werden. Es soll die dauerhafte Etablierung in der Primera Division gelingen. Da große Ambitionen im Fußball meist eine recht teure Angelegenheit sind, begibt man sich auf die Suche nach neuen Finanzierungsquellen. Fündig wird der Klub in der Person von Scheich al-Thani.

Dieser teilt die großen Ambitionen der Klubführung nicht nur, er erweitert sie sogar bis an die Grenzen des Größenwahns. Laut al-Thani soll der FC Malaga neben Real Madrid und dem FC Barcelona die dritte große Kraft in Spanien werden. Außerdem soll ein neues Stadion gebaut und eine Nachwuchsakademie entwickelt werden, die Barcas legendäre Kaderschmiede „La Masia“ in den Schatten stellen soll. Nicht zu vergessen, dass man in den nächsten fünf Jahren zu Europas Fußballelite gehören will. Kurzum, die Fans des FC Malaga sehen sich insgeheim schon mit dem Henkelpott durch ihr Stadion La Rosaleda tanzen.

Geld raus, Stars rein!

Klingt fast zu schön um wahr zu sein, doch der Traum scheint wirklich wahr zu werden. 150 Millionen Euro pumpt der neue Investor binnen kürzester Zeit in den Verein. Es werden die erfahrenen Stars Martin Demichelis und Ruud van Nistelroy geholt. Gemeinsam mit frisch angeworbenen Talenten wie Santi Cazorla und Isco, sollen sie den FC Malaga ins gelobte Land des europäischen Vereinsfußballs führen. Auch die Trainerposition wird mit Manuel Pellegrini höchst prominent besetzt.

Die Investitionen scheinen schnell zu fruchten. Schloss man die Saison 2009/10 noch als 17ter mit einem Punkt vor dem Abstieg ab, so gelingt schon in der übernächsten Saison die Sensation mit Platz vier und der damit einhergehenden Qualifikation für die Champions League. Im folgenden Jahr gelingt es, das Kunststück zu wiederholen und abermals den vierten Platz zu erobern. Der FC Malaga scheint sich wirklich an der Spitze festzusetzen.

Doch plötzlich geschieht das, mit dem wohl niemand gerechnet hätte, Scheich al-Thani lässt im Sommer 2012 ohne Vorwarnung sämtliche Geldflüsse versiegen. Die Funktionäre sind völlig ratlos. Gerüchte machen sich breit, dass der Scheich den Verein nur als Marketingobjekt benutzt hätte, um sich in der Region einen guten Namen zu machen. Andere behaupten, dem Scheich sei schlicht und einfach die Lust auf den FC Malaga vergangen.

Ohne den Investor ist die Vereinsführung nun nicht mehr im Stande, die Gehälter der Spieler zu bezahlen. Der Verein gerät immer mehr in Schieflage. Es folgt, was folgen muss, zahlreiche namhafte Stars wie Santi Cazorla werden an den Höchstbietenden verkauft. Sogar der Verkauf des gesamten Vereins wird diskutiert.

Grandezza am Abgrund

So steht der FC Malaga am Anfang der Saison 2012/13 ohne Geldgeber da, die UEFA droht wegen ausstehenden Gehaltszahlungen mit Sanktionen und auch in der Fangemeinde brodelt es gewaltig. Die Zutaten für eine Katastrophensaison sind angerichtet. Doch es kommt anders: In einer Mischung aus Trotz und Jetzt-erst-recht-Stimmung spielt die Mannschaft die beste Hinrunde der Vereinsgeschichte und nebenbei halb Europa schwindelig. Auf dem Weg ins Viertelfinale der Champions League schlägt man europäische Größen wie den AC Mailand und den FC Porto. Im Viertelfinale wartet schließlich die unter Jürgen Klopp auf ihrem Zenit spielende Borussia aus Dortmund. Der krasse Underdog bietet all seine Kräfte auf und hält das Hin- und Rückspiel bis zur Nachspielzeit offen. In einer der dramatischsten Schlussphasen der Champions-League-Geschichte führt Malaga bis zur Nachspielzeit mit 2:1. In der 91. Minute gleicht Reus für den BVB aus, doch Malaga ist dank Auswärtstorregel immer noch weiter. Doch dann beendet in der 92. Minute, nach einem Gestocher im Fünf-Meter-Raum, die Fußspitze von Felipe Santana den letzten Tanz Malagas auf Europas Fußballbühne.

Die Spieler sind am Boden zerstört und auch die finanzielle Situation in Malaga wird nun immer prekärer. Denn die UEFA setzt die angedrohten Sanktionen um und schließt den FC Malaga von der Europa League-Teilnahme in der nächsten Saison aus, was erneute finanzielle Einbußen bedeutet. Der Klub muss weitere Spieler veräußern, darunter das Top-Talent Isco, den man an Real Madrid verliert. Danach beginnt eine stetige Talfahrt, die 2018 abgeschlagen als Tabellenletzter mit dem Abstieg in die zweite Liga endet. Dort fristet man seitdem ein eintöniges Dasein im Tabellenmittelfeld der Segunda Division.

Bilder:
https://unsplash.com/photos/gO4Wi9srUv8, https://www.footyrenders.com/la-liga/malaga/isco-5/ (bearbeitet)


1 Kommentar zu “Investor – Schluss – Panik? Kapitel 1: FC Malaga

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