Uiguren-Protest gegen China in den USA.
In die Tiefe

Die fragwürdigen Sponsoren der EM 2021

Auch die EM 2021 will manch fragwürdiger Sponsor für seine Zwecke nutzen. Über Katar, Verbindungen zur Zwangsarbeit der Uiguren und das politische Machtinstrument Putins.

Auch die EM 2021 will manch fragwürdiger Sponsor für seine Zwecke nutzen. Über Katar, Verbindungen zur Zwangsarbeit der Uiguren und das politische Machtinstrument Putins.

Jeder Sponsor oder jede Sponsorin verfolgt eigennützige Ziele. Das ist auch vollkommen legitim, warum sonst Sponsor sein? Nur sind manche der Ziele – oder die Art und Weise, wie diese erreicht werden – fragwürdig. So auch bei einigen Sponsoren der EM 2021.

Offiziell gibt es zwölf Sponsoren für die Europameisterschaft. Das sind Alipay, Booking.com, FedEx, Gazprom, Hisense, Volkswagen, Coca Cola, Heineken, Qatar Airways, Lieferando, TikTok und Vivo. Fünf davon wollen wir uns genauer ansehen.

Qatar Airways

Ja, Katar hat auch schon bei der EM 2021 seine Finger im Spiel. Denn Qatar Airways, die staatliche Fluglinie Katars, wird die Nationalmannschaften und ihre Verantwortlichen zu den EM-Spielen fliegen. Mit den Sponsorings im Fußball will das Emirat sein Image in der Welt aufbessern. Laut Amnesty International ist die Meinungsfreiheit in Katar stark eingeschränkt, Frauen werden diskriminiert, indem sie gewisse Entscheidungen nicht ohne Erlaubnis ihrer männlichen Vormünde treffen dürfen. In dem Wüstenstaat gibt es außerdem etwa 2,3 Millionen Gastarbeiter*innen. Diese erhalten ihren Lohn oft unregelmäßig, verspätet, oder überhaupt nicht. Bis vor kurzem durften sie laut Amnesty nur mit Einverständnis des Arbeitgebers den Job wechseln oder einfach nur das Land verlassen. Diese Regelung sei inzwischen zwar gesetzlich abgeschafft, werde aber in der Praxis weiterhin angewandt.

Hisense, Vivo (und Volkswagen)

Zum ersten Mal sind bei einer Europameisterschaft auch vier Unternehmen aus China als Sponsoren dabei: TikTok, Alipay, Hisense und Vivo. Amnesty berichtet auch in China von einer starken Einschränkung der Meinungsfreiheit. Genauso sind die Religionsfreiheit und die Rechte von LGBTI+ Menschen eingeschränkt.

Außerdem werden zwei der chinesischen Sponsoren (das Elektronikunternehmen Hisense und der Smartphone-Hersteller Vivo) mit uigurischer Zwangsarbeit in Verbindung gebracht. Das Australian Strategic Policy Institut (ein unabhängiges Institut, das von der australischen Regierung gegründet wurde) hat eine Studie veröffentlicht, die die beiden Unternehmen verdächtigt, von uigurischer Zwangsarbeit zu profitieren. Auch EM-Sponsor Volkswagen wird im Bericht als möglicher Profiteur genannt.

Die Uiguren (im Titelbild) sind eine muslimische Minderheit in China. Etwa eine Million von ihnen sollen in der Provinz Xinjiang in Lagern festgehalten werden. An den Uiguren werden dort schlimme Menschenrechtsverletzungen begangen. Dabei geht es unter anderem um Zwangsarbeit und reihenweise Zwangssterilisationen uigurischer Frauen. Björn Alpermann, Professor für Chinaforschung der Gegenwart an der Universität Würzburg, sagte gegenüber dem Deutschlandfunk: „Es geht darum, die Wesensmerkmale der uigurischen ethnischen Identität auszulöschen“.

Die USA, Kanada und die Niederlande sprachen bereits von einem „Völkermord“, die EU verhängte erstmals seit 30 Jahren Sanktionen gegen China wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen.

Hat sich die UEFA damit beschäftigt? Nach welchen Prinzipien wird ein Sponsor ausgewählt? Gegenüber WDR Sport Inside sagte die UEFA, dass man das beste Angebot auf dem Markt annehme. Alle unterzeichneten Verträge würden aber eine Klausel zur sozialen Verantwortung enthalten. Begründete Verstöße könnten zu einem internen Prozess führen.

Gazprom

Gazprom ist einer der größten Erdgaslieferanten der Welt und seit 2012 Sponsor der Champions League. Der russische Staatskonzern hat enge Verbindungen zu Präsident Wladimir Putin. Mafia-Experte Jürgen Roth sagte dem DLF dazu: „Gazprom ist bekanntlich einerseits ein Energiekonzern und auf der anderen Seite die wirtschaftliche und politische Waffe von Wladimir Putin.“

Mit dem Sponsoring im europäischen Fußball (auch bei Schalke, Roter Stern Belgrad oder Zenit St. Petersburg) verfolgen Russland bzw. Putin also mehr politische Ziele, als dass Gazprom für ein Produkt werben möchte. Es geht vor allem um Image-Aufbesserung.

Der UEFA scheint das egal zu sein, sie schaut wohl vorrangig aufs Geld. Außerdem sagt Journalist Robert Kempe im Sport-inside-Podcast: „Die Verbindungen gehen aus meiner Sicht über ein normales Sponsoren-Verhältnis hinaus.“ Dazu passt, dass der ehemalige Präsident von Gazprom-Werksklub Zenit St. Petersburg, Alexander Djukow, jetzt Präsident des russischen Fußball-Verbandes ist. Er sitzt auch im Vorstand der UEFA und ist gleichzeitig Vorstandsvorsitzender einer Gazprom-Tochterfirma.

Auch die beiden Vorgänger Djukows auf dem Posten des Verbands-Präsidenten, Witali Mutko und Sergei Fursenko, waren vorher Zenit-Präsidenten. Mutko war bis 2016 Sportminister und danach Vize-Ministerpräsident Russlands unter Putin. Für die FIFA saß er zwischen 2009 und 2017 im Exekutivkomitee, für die WM 2018 war er als Organisationschef eingeteilt, bis er wegen des russischen Dopingskandals abgezogen wurde. Auch Fursenko war Direktor einer Gazprom-Tochter und später im UEFA-Vorstand. Die Verbindungen zwischen Gazprom, Russland und der UEFA/FIFA sind also eng.

Es ist eine geopolitische Katastrophe mit Unterstützung europäischer Sportinstitutionen.

Viola von Cramon, Europaabgeordnete der Grünen

Solch große Turniere wie die EM, aber auch Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele, sind eben wichtige Plattformen für Unternehmen (und Staaten), um ihr Image aufzubessern oder politische Ziele zu verfolgen. Viola von Cramon, Europaabgeordnete der Grünen sagte dazu gegenüber Sport inside: „Eigentlich sollte es ein Europäisches Fest sein, ein Jubiläum werden. Was wir jetzt haben, ist eigentlich eine geopolitische Katastrophe mit Unterstützung europäischer Sportinstitutionen.“

BILD: Malcolm Brown via Wikimedia Commons.

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