In die Tiefe

Frauen im Fußball: das gallische Dorf

Frauen sind im Fußball immer noch unterrepräsentiert. Warum ist das so? Wie sieht die Situation gerade aus? Und was sind die Lösungsansätze? Ein Überblick.

Frauen sind im Fußball immer noch unterrepräsentiert. Warum ist das so? Wie sieht die Situation gerade aus? Und was sind die Lösungsansätze? Ein Überblick.

Fußball galt (und gilt mancherorts wohl immer noch) lange als Männersport. Testosterongesteurt, aggressiv, hart, eben etwas für „echte Kerle“. Auf der anderen Seite halten sich heute noch sexistische Begriffe wie „Weiberfußball“, die das Fußballspielen von Frauen abwerten.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, woher das kommt. 1955 verbot der DFB den Damenfußball unter seinen Mitgliedern – mit der Begründung: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“

Dieses Verbot wurde erst 1970 aufgehoben. Die Männer haben also rund 70 Jahre Vorsprung vor dem Frauenfußball. Den DFB, von Männern für Männer gegründet, gibt es nämlich bereits seit dem Jahr 1900.

Ernüchternde Zahlen

Heute hat sich die Situation für Frauen im Fußball noch nicht entscheidend verbessert. Aktuelle Zahlen zeigen dies sowohl für die Bereiche „Frauenfußball“ sowie „Frauen im Fußball“. Denn im Präsidium des DFB gibt es unter 19 Mitgliedern nur eine Frau: Hannelore Ratzeburg. Die Vizepräsidentin für Gleichstellung und Frauenfußball ist gleichzeitig die allererste Frau in der Chefetage des DFB. Im nullzueins-Interview spricht sie am Ende der Themenwoche über die Probleme des männerdominierten Fußballs und mögliche Lösungsansätze.

Denn wie die weiteren Zahlen zeigen, braucht es diese Lösungsansätze dringend. Im DFL-Präsidium gibt es nämlich gar keine Frau. Und in den Führungsgremien der Vereine aus der ersten und zweiten (Männer-)Bundesliga gibt es bei 500 Stellen gerade einmal 28 Frauen. Das sind 5,6%. Auch nach Trainerinnen sucht man im deutschen Fußball größtenteils vergeblich. Nur 3,6% der Fußballlehrer(*innen)-Lizenzen gehen an Frauen. So gibt es selbst in der Frauen-Bundesliga bei zwölf Teams nur eine Cheftrainerin. Frauen bleiben aktuell das gallische Dorf im von Männern besetzten Fußball.

Das eine ist, etwas zu wollen, das andere ist, es auch zu tun.

Fansprecherin Helen Breit im nullzueins-Interview

Woran liegt das? Warum ändert sich daran nichts? „Es gibt keine intrinsische Motivation“, sagt etwa Katja Kraus, ehemaliges Vorstandsmitglied beim HSV, in der ZDF-Doku „Frauen im Männerfußball“. „Ich glaube die Menschen, die gerade in der Verantwortung sind, sehen die Notwendigkeit immer noch nicht.“

Fritz Keller, DFB-Präsident und damit einer, der in der Verantwortung ist, klingt da meistens anders. Er betont immer wieder, sich das Thema „Frauen im Fußball“ ganz oben auf die Agenda gesetzt zu haben. „Das eine ist, etwas zu wollen, das andere ist, es auch zu tun“, entgegnet Helen Breit im Gespräch mit nullzueins. „Ich würde Fritz Keller gerne eine offene Frage zurückstellen: Was ist denn genau passiert nach diesen Ankündigungen?“ Das Interview mit der Vorsitzenden der Faninitiative „Unsere Kurve“ lest ihr bereits am Dienstag.

Kritik am Ergebnisbericht der Taskforce

Dass der Profifußball handeln möchte, zeigte er mit der DFL-Taskforce „Zukunft Profifußball“, die sich auch mit den Themen „Frauen im Fußball“ und „Frauenfußball“ beschäftigte.

Die ausgearbeiteten Ziele: Bis 2030 hat sich die DFL einen Maßnahmenplan zum Ziel gesetzt, um die „Professionalisierung der höchsten Spielklassen aber auch generell die Attraktivität und Bekanntheit des Frauenfußballs zu stärken“. Für Frauen im Männerfußball will man eine „Diversitäts-Strategie konkretisieren und Maßnahmen ergreifen, um strukturiert mehr Frauen in Führungspositionen im Profifußball zu bringen“. Alle Handlungsempfehlungen lest ihr im Ergebnisbericht der Taskforce.

F_in, das Netzwerk Frauen im Fußball, äußerte sich in einer Stellungnahme zu den Zielen der Taskforce: „Es braucht eine ganzheitliche, langfristige und nachhaltige Strategie zum Abbau von Geschlechterungleichheiten mit ineinandergreifenden Maßnahmen. Eine solche Strategie können wir in dem Abschlussbericht der DFL-Taskforce nicht erkennen.“ Die komplette Stellungnahme gibt es hier.

Die Themenwoche „Frauen im Fußball“

Es bleibt also bislang bei zaghaften Versuchen. Die Situation für Frauen im deutschen Fußball ist weiterhin schwierig. Deshalb beschäftigen wir uns diese Woche mit dieser Problematik. Wir haben uns erkundigt, welche Erfahrungen Frauen in der Branche gemacht haben und mit welchen Maßnahmen man den Fußball diverser machen kann. Und wir berichten darüber, wie Frauen im Sport strukturell durch die Medien benachteiligt werden und auch im Sprachgebrauch von Kommentatoren anders behandelt werden als die Männer.

In unserer (verlängerten) Themenwoche beschäftigen wir uns seit Samstag und noch bis Sonntag mit dem Thema „Frauen im Fußball“. Zu lesen gibt es Interviews mit Sportmoderatorin Kristina Inhof, Fansprecherin Helen Breit und DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg! Außerdem zwei spannende Texte zum Thema strukturelle Unterschiede in der Medienberichterstattung und die geschlechtsspezifisch unterschiedliche Behandlung von Sportler*innen durch Kommentatoren.

BILDER: Helen Breit, DFB, ORF

2 Kommentare zu “Frauen im Fußball: das gallische Dorf

  1. Pingback: Lage am Millerntor - 14.April 2021 - MillernTon

  2. Pingback: Im Teufelskreis der Zuschauer*innengunst – Frauen- und Männerfußball in den Medien – nullzueins

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