In die Tiefe

Zwischen Schweizer System und Finalturnier

Die Champions League steht vor großen Veränderungen. Ab 2024 gibt es wahrscheinlich keine Gruppenspiele mehr, stattdessen wird in einer Liga gespielt. Kommt dazu auch noch ein Finalturnier ohne Rückspiele, wie wir es coronabedingt in Lissabon gesehen haben? Die möglichen Reformen im Überblick.

Die Champions League steht vor großen Veränderungen. Ab 2024 gibt es wahrscheinlich keine Gruppenspiele mehr, stattdessen wird in einer Liga gespielt. Kommt dazu auch noch ein Finalturnier ohne Rückspiele, wie wir es coronabedingt in Lissabon gesehen haben? Die möglichen Reformen im Überblick.

Die UEFA entwirft weiter neue Pläne, um die europäischen Wettbewerbe spannend zu halten und mehr Gewinne zu erzielen. Ab nächster Saison startet mit der UEFA Conference League ein neues Turnier, ab 2024 soll dann die Champions League ganz anders aussehen.

So soll die Champions League künftig aussehen

Im neuen Modell soll es keine Gruppenphase mehr geben, stattdessen wird in einer Liga mit allen Mannschaften gespielt. Jedes Team würde dann garantiert gegen zehn Gegner spielen, bevor überhaupt jemand ausscheiden kann. Im Vergleich zur Gruppenphase hätte also jede Mannschaft vier sichere Spiele mehr, insgesamt gäbe es dadurch zusätzliche 100 Partien in der Königsklasse. Die jeweiligen Gegner werden aufgrund von Platzierungen des Vorjahres bestimmt.

Rang 1 bis 8 erreichen dann das Achtelfinale. Rang 9 bis 24 spielen eine Playoff-Runde für die verbleibenden Plätze. Für die Verlierer dieser Playoff-Runde geht es künftig in der Europa League weiter. Der Rest ist raus.

Vier Teams mehr

Außerdem sollen 36 statt wie bisher 32 Teams mitspielen. Einer dieser neu geschaffenen vier Plätze soll an das fünfte Land in der UEFA-Fünf-Jahres-Wertung gehen – das wäre derzeit Frankreich. Die anderen drei an große Klubs, die sich nicht über die nationalen Ligen qualifiziert haben. Das aber nur, wenn der Klub in irgendeiner Art für den internationalen Wettbewerb qualifiziert ist, also für die CL-Quali oder Europa League/Conference League. Das oft genannte Beispiel FC Arsenal passt hier also nicht, die Gunners stehen gerade auf Platz 10 der Premier League. Die Plätze könnten aber auch teilweise an nationale Meister gehen, die sich bislang noch durch die CL-Quali kämpfen müssen (Beispiel: Ajax Amsterdam, RB Salzburg). Die genaue Regelung steht noch nicht fest.

Chaled Nahar, Journalist u.a. bei Sportschau und Deutschlandfunk Sport hat sehr verständlich zusammengefasst, was sich verändert und wo noch Diskussionsbedarf liegt.

Was sind die Vorteile?

Zuerst einmal: das liebe Geld. Mehr Mannschaften, mehr Spiele, mehr Vermarktung, mehr TV-Gelder, mehr Gewinn.

Außerdem: mehr Spannung. In der Gruppenphase kommt es immer wieder zu Partien, die keine Bedeutung mehr haben. Weil der erste und der zweite, vielleicht sogar der dritte Platz, manchmal schon feststehen. In einer Liga mit allen Teams gibt es das nicht mehr. Denn für die Vereine kann es wichtig sein, ob sie 5. oder 6. in der Abschlusstabelle werden, schließlich wartet dann im Achtelfinale ein vermeintlich schwächerer bzw. stärkerer Gegner (in diesem Fall der 12. oder 11. Rang).

Wo liegen die Probleme?

Der Terminkalender wird immer voller. Einige Teams beklagen sich sowieso schon über den eng getakteten Spielplan. Vier garantierte Spiele mehr in der Vorrunde wären noch mehr Belastung.

Dazu sollen die vier zusätzlichen Spieltage laut besagtem Chaled Nahar von Dienstag bis Donnerstag exklusiv sein. Dann dürften zeitlich keine anderen nationalen oder internationalen Wettbewerbe stattfinden. „Der Ligapokal wäre am Ende“, sagt Steve Parish von Crystal Palace. In England würden dann ein Drittel der Einnahmen der Zweit- bis Viertligisten wegfallen. Daher könnten es am Ende auch nur acht fixe Spieltage werden.

Die Reform darf nicht auf Kosten der nationalen Ligen gehen.

Unsere Kurve

Die Faninitiative Unsere Kurve fordert: „Die Reform darf nicht auf Kosten der nationalen Ligen gehen.“ Die Veränderungen würden nämlich den großen Vereinen zugutekommen und damit weiter ihre Vormachtstellung zementieren. Denn die zusätzlich geplanten Plätze für nicht-qualifizierte Spitzenklubs würden die sportliche Leistung kleinerer Klubs vernachlässigen.

Konkret fordert Unsere Kurve eine „Vergabe etwaiger zusätzlicher Startplätze in der Champions League ausschließlich anhand der sportlichen Qualifikation in der Vorsaison“.

Dazu möchte die Initiative, dass die internationalen Gelder gleichmäßiger verteilt werden. Mit der geplanten Reform würden die Teilnehmenden der Königsklasse noch mehr Geld erhalten und damit den finanziellen Abstand auf alle anderen Klubs weiter vergrößern. Auch dazu gibt es im obigen Tweet mehr Infos.

Ein Finalturnier für mehr Spannung?

Denn hier soll es noch um ein mögliches Finalturnier in der Champions League gehen, wie es 2020 coronabedingt in Lissabon stattgefunden hat. Aktuell wurde diese Idee nicht diskutiert, sie war jedoch zuvor schon Bestandteil von Überlegungen und könnte mehr Spannung in die K.o.-Phase bringen sowie gleichzeitig die Anzahl an Partien reduzieren.

Bei diesem Finalturnier im vergangenen Jahr trafen sich nämlich alle Teams ab dem Viertelfinale in Lissabon und spielten innerhalb von zwei Wochen den Champions-League-Sieger aus. Dabei gab es lediglich ein Spiel pro Paarung, die Rückspiele entfielen also, schließlich war ja auch der Heimvorteil weg.

Der Modus wird wie eine Bombe einschlagen.

Karl-Heinz Rumenigge über das Finalturnier in Lissabon

Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rumenigge fand Gefallen daran: „Der größte Thrill für den Fan ist natürlich das K.o.-System. Der Modus wird wie eine Bombe einschlagen. Bei zwei Spielen setzt sich aus Erfahrung eigentlich immer die bessere Mannschaft durch, in einem Spiel ist alles möglich“, sagte er.

Damit haben also kleinere Teams verbesserte Chancen, weiterzukommen. Außerdem fällt die von einigen Fans unbeliebte Auswärtstorregel weg. Dadurch ist es auch wahrscheinlicher, dass sich eine Partie erst im Elfmeterschießen entscheidet.

Dazu könnte man auch die Anzahl der Spiele reduzieren, um die Profis zu entlasten. Gerade wenn es zehn statt sechs Vorrundenspiele geben sollte. Sparen könnte man sich ab dem Achtelfinale 14 Partien, es wären dann nur noch 15 statt 29 Partien.

Und auch der Nachhaltigkeitsaspekt wäre berücksichtigt. Weniger Spiele und damit weniger Rumgereise sind nicht nur in Corona-Zeiten ein Vorteil. Andererseits gibt es für die Fans auch weniger Heimspiele ihrer Klubs.

Entscheidung bis 20. April

Die UEFA soll das Thema Finalturnier bereits intern diskutiert haben. So könnten die Halbfinals und das Finale künftig in einer Stadt austragen werden. Wie die Reformen ab 2024 genau aussehen, soll vor dem 20. April feststehen. Ein Finalturnier ist dort wohl aber erst einmal nicht inbegriffen.

Bild: Daniel, Flickr.

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