In die Tiefe

Auf Wiedersehen!

Seine Wiederwahl im Jahr 2019 war reine Formsache – ein Kinderspiel. Alexander Čeferin war ohne Gegenkandidaten angetreten, bleibt oberster Vertreter des europäischen Fußballverbands bis 2023. Damals, 2016, zur ersten Amtszeit als UEFA-Präsident, gab er ein wichtiges Ziel für die kommenden Jahre aus. Eines, dass ihn spätestens jetzt wieder einholt.

Seine Wiederwahl im Jahr 2019 war reine Formsache – ein Kinderspiel. Alexander Čeferin war ohne Gegenkandidaten angetreten, bleibt oberster Vertreter des europäischen Fußballverbands bis 2023. Damals, 2016, zur ersten Amtszeit als UEFA-Präsident, gab er ein wichtiges Ziel für die kommenden Jahre aus. Eines, dass ihn spätestens jetzt wieder einholt.


„Wir werden den Fußball nahbarer machen für die Fans auf dem gesamten Planeten“.


Das Thema ist gerade durch die Covid-19-Pandemie wieder aufgekommen und durch Manchester Citys Urteil zur aktuell dringlichsten Aufgabe der UEFA geworden. So sind sich viele Funktionäre wie DFB-Chef Fritz Keller oder DFL-Geschäftsführer Christian Seifert einig, dass es Reformen geben muss, um das Image der Branche aufzupolieren.

Wiedermal wird dabei auch über die Einführung einer Gehaltsobergrenze (Salary Cap) diskutiert. Diese soll die finanziellen Auswüchse deckeln und mehr Spannung in den Wettbewerb bringen. So haben sich in vielen Ligen mittlerweile „Dauermeister“ herauskristallisiert. Der FC Bayern in Deutschland, Paris St-Germain in Frankreich, Juventus Turin in Italien. In Spanien sind es zumindest noch zwei Klubs, hier machen Barcelona und Real Madrid den Titel unter sich aus.


Vor allem aber muss der Fußball die Lücken schließen, die die Regelung des Financial Fairplays lässt. Immer mehr Fans sprechen sich gegen die horrenden Transfersummen und die Nachlässigkeit bei der Bestrafung von Vergehen aus. So fordern zum Beispiel rund 14.000 Fans durch die Initiative unserfussball.jetzt einen nachhaltigeren und faireren Wettbewerb. Dass ein Salary Cap den Wettbewerb ausgeglichener machen würde, liegt auf der Hand. Schließlich dürfte der FC Bayern dann nur noch dieselbe Summe für Spielergehälter ausgeben wie beispielsweise der FC Augsburg. Dadurch sollte der Anreiz für Spieler, den Verein
wegen höherer Gehaltszahlungen zu wechseln, eigentlich gering sein und der Wettbewerb spannender werden.

Nur heißt ausgeglichener nicht gleich ausgeglichen. Der Rekordmeister aus München wird sich wohl kaum darauf einlassen, pro Spielzeit nur noch rund 40 Millionen Euro für das Personal auszugeben, wie es der FC Augsburg laut DFL-Wirtschaftsreport in der Saison 2018/19 getan hat. Zum Vergleich: Der FCB hat im gleichen Zeitraum rund 355 Millionen investiert. Selbst wenn der FC Bayern durch eine Gehaltsobergrenze nur die Hälfte der Summe ausgeben dürfte, wäre diese immer noch mehr als das Vierfache vom Augsburger Budget. Die Liga würde enger zusammenrücken, doch der FC Augsburg könnte weiterhin
nicht oben mitspielen.

Auch verhindert eine Gehaltsobergrenze weder hohe Ablösesummen noch hohe Gehälter. Das Wirtschaftsmagazin Forbes führt auf seiner Liste der 10 bestbezahlten Sportler 2019 fünf Spieler aus der amerikanischen NFL und NBA auf. Beide Ligen haben einen Salary Cap. (Auf dem Treppchen stehen übrigens Lionel Messi, Christiano Ronaldo und Neymar) Der Cap führt eher dazu, dass junge Spieler sehr wenig Geld bekommen, damit genug Spielraum für die großen Stars bleibt.

Die USA soll für die mögliche Einführung eines Salary Caps als Vorbild dienen. Die
Franchises der National Football League dürfen den jährlich neu festgelegten Cap unter keinen Umständen überschreiten. 2020 liegt der Deckel pro Team bei etwa 198 Millionen Dollar (166 Millionen Euro). Seit der Einführung der Gehaltobergrenze 1994 haben 15 verschiedene Teams die Meisterschaft gewonnen, in der deutschen Bundesliga waren es sechs.

Zur ganzen Wahrheit gehört aber, dass das Draft-System in den USA maßgeblich zur Chancengleichheit beiträgt. Jedes Jahr dürfen sich die schlechtesten Klubs der Vorsaison die besten Talente zuerst schnappen. Außerdem gibt es in der NFL keine vergleichbar hohen Ablösesummen wie im europäischen Fußball. Ein Salary Cap nach dem Vorbild der großen amerikanischen Ligen wird also nicht alleine zu einem spannenderen Wettbewerb führen.


Zumal die Umsetzung in Europa einige Fragen aufwirft: Gilt der Salary Cap auch in der 2. oder 3. Liga, und mit demselben Betrag? Oder nur für die europäischen Wettbewerbe? Was passiert bei Auf- oder Abstieg? Schließlich haben NFL oder NBA geschlossene Systeme ohne Auf- und Absteiger. Wird es ein Soft oder Hard Cap? Beim Soft Cap gibt es Ausnahmeregelungen, zum Beispiel dürfen in der amerikanischen Fußball-Liga drei Spieler außerhalb der Gehaltsobergrenze bezahlt werden. Und vor allem: Warum sollten sich Paris St. Germain, Real Madrid oder die reichen Klubs aus England wie Manchester City auf solche
Beschränkungen einlassen? Schon durch die Super League haben die europäischen Topklubs deutlich gemacht, im Notfall auch ohne die UEFA zu können.


Eine Gehaltsobergrenze wie in den USA scheint keine geeignete Lösung, um den Fußball wieder „nahbarer“ zu machen. Zu unterschiedlich die Systeme in Europa und den USA, zu viele Lücken, die das Konzept lässt, zu schwierig die Umsetzung. Alexander Čeferin bezeichnet die Idee dennoch als „interessant“. Es brauche „Zeit, ihre Machbarkeit zu diskutieren“.


Es stellt sich die Frage, was der UEFA-Chef bezwecken möchte. Schon 2017, nach dem Aufruhr um den 222-Millionen-Euro-Wechsel von Neymar zu Paris St. Germain, wurde eine Gehaltsobergrenze ins Spiel gebracht. Čeferin versprach damals einen „erneuten Vorstoß“ bei der EU-Kommission. Passiert ist wenig. Damals stand noch die Frage im Raum, ob ein Salary Cap überhaupt rechtlich machbar wäre. Diese Bedenken hat Thomas Oppermann, SPD-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des DFB-Ethikkomitees, mittlerweile durch zwei Gutachten ausgeräumt.

Die anderen Bedenken bleiben. Möglicherweise wird es bald wieder still um das Thema Gehaltsobergrenze im Fußball – und um das Financial Fairplay. Zumindest solange, bis der nächste Klub ein Schlupfloch im Reglement findet und die UEFA die Wogen glätten muss.

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